top of page

Warum destruktive weibliche Konkurrenz mehr ist als „Zickenkrieg“


Wer kennt sie nicht – „die eine“, die in uns ein ungutes Gefühl auslöst oder uns das Leben schwer macht.


Was wir dabei oft vergessen: Diese „eine“ sind nicht immer nur die anderen. Manchmal sind wir es auch selbst, die bei anderen genau solche Gefühle auslösen.


Wenn wir auf solche Dynamiken treffen, reagiert unser Nervensystem. Klassisch kennen wir die Stressreaktionen Fight, Flight und Freeze – und oft übersehen wird Fawn, also das Anpassen und Gefallenwollen. Je nach Prägung gehen wir in Angriff, ziehen uns zurück, erstarren oder versuchen, es allen recht zu machen.

Keine dieser Reaktionen ist langfristig wohltuend. Weder für uns selbst noch für ein gesundes Miteinander.


Was dabei oft aktiviert wird, ist Angst:

Die Angst, nicht genug zu sein. Zu viel zu sein. Ausgeschlossen zu werden. Ansehen, Zugehörigkeit oder Beziehungen zu verlieren.


Und hier wird es interessant...


Indirekte Aggression und Sozialisation


Die Forschung beschreibt bei indirekter Aggression beziehungsbezogene Angriffsformen wie Ignorieren, Ausgrenzen oder das Verbreiten von Gerüchten.


Solche Verhaltensweisen werden in Studien bei Mädchen und Frauen häufig beobachtet, sind aber nicht ausschließlich weiblich.

Diese Muster sind nicht einfach als Charakterproblem zu verstehen, sondern stehen häufig auch im Zusammenhang mit Sozialisation, Rollenbildern und erlernten Konfliktmustern.

Viele Frauen lernen früh, dass offener Konflikt „nicht erwünscht“ ist. Wut wird unterdrückt – und sucht sich dann indirekte Wege.


Zugehörigkeit als Bedürfnis


Soziale Verbundenheit und Zugehörigkeit sind für das emotionale Wohlbefinden vieler Menschen zentral.


Forschung zu weiblichen sozialen Bindungen zeigt zudem, dass soziale Unterstützung für Frauen besonders bedeutsam für die Stressregulation und Gesundheit sein kann.

Sozialer Ausschluss kann dadurch als stark belastend erlebt werden und mit Prozessen zusammenhängen, die sogar bei körperlichem Schmerz eine Rolle spielen.


Das bedeutet: Wenn Zugehörigkeit bedroht ist, reagiert unser System nicht „übertrieben“, sondern existenziell.


Es geht nicht um Boshaftigkeit


Was wie Angriff wirkt, ist oft ein Schutzversuch.

Ein Versuch, den eigenen Wert zu verteidigen.

Ein Versuch, Zugehörigkeit zu sichern.

Ein Versuch, nicht zu verlieren.


Wenn wir das verstehen, verändert sich etwas Grundlegendes: Wir können beginnen, uns selbst und anderen mit Mitgefühl zu begegnen.

Und wichtig zu erwähnen:

Mitgefühl ist nicht Mitleid.

Mitleid kann Distanz oder Ohnmacht verstärken, während Mitgefühl verbundenes, klares Wahrnehmen und Halt ermöglichen kann.


Der eigentliche Wendepunkt


Das unangenehme Gefühl, das in uns aufsteigt, hat meist mehr mit uns zu tun als mit der anderen Person.

Die andere wird zur Auslöserin – nicht zur Ursache.


Sie berührt alte Wunden, reaktiviert Erfahrungen von Ausschluss, Bewertung, Konkurrenz.

Und so unbequem das ist – darin liegt die Chance.


Statt in den Gegenangriff zu gehen, können wir innehalten: Hinschauen. Hinfühlen. Verstehen.


Vielleicht sogar dankbar werden für den Hinweis:„Hier ist etwas in mir, das gesehen werden will.“


Die Wahrheit ist: Die andere ist nicht schuld. Wir auch nicht.

Aber wir tragen die Verantwortung.


Ein Weg zurück zu uns: Ho’oponopono


Ein kraftvolles Ritual aus der hawaiianischen Tradition kann uns dabei unterstützen, uns genau diesen inneren Anteilen zuzuwenden.


Ho’oponopono bedeutet sinngemäß, etwas wieder in Ordnung zu bringen – in uns selbst.

Dabei geht es nicht darum, das Verhalten anderer gutzuheißen, sondern die Verantwortung für die eigenen inneren Reaktionen zu übernehmen.


Du kannst es ganz einfach für dich anwenden, wenn du merkst, dass dich eine Situation oder Person emotional stark berührt:


  1. Richte deine Aufmerksamkeit nach innen – auf den Schmerz, die Enge, die alte Wunde, die sich zeigt.

  2. Und dann sprich innerlich oder leise zu dir selbst:

    🤍 Es tut mir leid.

    🤍 Bitte verzeih mir.

    🤍 Danke.

    🤍 Ich liebe dich.


Diese Sätze wirken wie eine sanfte Brücke zurück zu dir selbst. Weg vom Außen – hin zu deinem inneren Erleben.

Nicht die andere Person steht im Fokus, sondern der Teil in dir, der gerade leidet.

Du beginnst, dich selbst zu halten – statt im Außen zu kämpfen.


Was das im Alltag bedeutet


Was oft als „Zickenkrieg“ abgetan wird, ist in Wahrheit ein aktiviertes Überlebenssystem.

Ein Nervensystem im Alarmzustand.


Das hat reale Auswirkungen:

Auf Wohlbefinden, Zusammenarbeit, Leistungsfähigkeit und Gesundheit.

Gerade Führungskräfte sind hier gefragt, genauer hinzusehen und solche Dynamiken ernst zu nehmen.


Was wir konkret tun können


  • Bewusstsein entwickeln:

    Das Gegenüber ist nicht die Ursache, sondern oft nur der Auslöser.

  • Gefühle als Einladung verstehen – zur Innenschau statt zum Gegenangriff.

  • Eigene Stressmuster erkennen:

    Gehe ich in Angriff, Rückzug, Erstarrung oder Anpassung?

  • Mitgefühl kultivieren – für sich selbst und andere, besonders für Menschen im Überlebensmodus.

  • Klar und respektvoll ansprechen, statt indirekt zu reagieren.

  • Eigene Grenzen wahrnehmen und kommunizieren.

  • Räume schaffen, in denen Unsicherheit und Konkurrenz offen benannt werden dürfen.

  • Rituale nutzen, um sich selbst zu regulieren und zu stärken.

  • Selbstwert nicht im Außen verankern, sondern bewusst innerlich nähren.

  • Sich Unterstützung holen, wenn alte Verletzungen immer wieder getriggert werden.


Vielleicht beginnt echte Veränderung genau hier:

Nicht im Außen. Nämlich in der Art, wie wir beginnen, uns selbst zu begegnen.

Und von dort aus – einander.



Quellen zum Weiterlesen
  • Bedrov, A., & Gable, S. L. (2022). Thriving together: the benefits of women's social ties for physical, psychological and relationship health.pmc.ncbi.nlm.nih

  • Magram, J., Ackerman, E., Stafford, C., & Kennedy, T. D. (2024). Systematic Review: Intervention Strategies for Treating Relational Aggression in Female Juvenile Offenders and At-Risk Female Youth.pmc.ncbi.nlm.nih

  • Stroud, L. R., Salovey, P., & Epel, E. S. (2002). Sex differences in stress responses: social rejection versus achievement stress.pmc.ncbi.nlm.nih

  • Sample-/Übersichtsarbeiten zu sozialer Verbundenheit und mentaler Gesundheit.journals.plos

 


 
 
 

Kommentare


bottom of page