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Der Psych-Vergleich: Wer kann was?

Psychiater:in, Psycholog:in, Psychotherapeut:in

- wer, wie, was?!


Wenn es psychisch eng wird, tauchen schnell viele Begriffe auf: Psychiaterin, Klinischer Psychologe, Psychotherapeutin… In Österreich sind das drei unterschiedliche Berufsgruppen – mit jeweils eigener Ausbildung, eigenen Schwerpunkten und klar geregelten Befugnissen. Dieser Beitrag soll helfen die Berufsgruppen auseinanderzuhalten.

 

Psychiater:in


Wer ist das?

Psychiater:innen sind Ärzt:innen mit Spezialisierung auf psychische Erkrankungen. Sie verbinden medizinisches Wissen mit psychiatrischer und oft auch psychotherapeutischer Behandlung.


Wie wird man Psychiater:in?

  • Studium der Humanmedizin.

  • Anschließend mehrjährige Facharztausbildung in „Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin“ mit durchgehender klinischer Tätigkeit (Stationen, Ambulanzen, Nachtdienste, Krisenversorgung).

  • Fortbildungen und ggf. zusätzliche psychotherapeutische Qualifikation (ärztliche Psychotherapie).


Was dürfen Psychiater:innen?

  • Psychiatrische und somatische Diagnostik (Untersuchungen, Labor, körperliche Abklärung).

  • Verordnung von Medikamenten (z.B. Antidepressiva, Neuroleptika, Schlafmittel…).

  • Krankenstände, Einweisungen, Gutachten.

  • Psychotherapie anbieten, wenn eine entsprechende psychotherapeutische Weiterbildung besteht.

 

Psycholog:in


Wer ist das?

Psycholog:innen sind wissenschaftlich ausgebildete Fachpersonen für Erleben, Verhalten, Kognition und Methoden der Datenerhebung und -auswertung. Sie arbeiten oft in Forschung, Bildung, Wirtschaft oder Beratung.


Wie wird man Psycholog:in?

  • Universitäres Psychologiestudium (Bachelor + Master bzw. früher Diplom).

  • Starker Fokus auf wissenschaftliche Grundlagen, Statistik, Diagnostik, Methodik und psychologische Theorien.

  • Praxisanteile meist in Form von Praktika und Projekten, nicht als heilkundliche Behandlungsausbildung.

 

Was dürfen Psycholog:innen?

  • Psychologische Beratung, Trainings, Forschung, Personal- und Organisationsentwicklung u.v.m.

  • Psychologische Diagnostik im nicht-klinischen Bereich (z.B. Eignungsdiagnostik, pädagogische Fragestellungen), je nach Spezialisierung.

  • Keine Verordnung von Medikamenten.

  • Keine eigenständige Ausübung von Psychotherapie im Sinne des Psychotherapiegesetzes – dafür braucht es eine zusätzliche Psychotherapieausbildung.

 

Klinische Psycholog:in


Wer ist das?

Klinische Psycholog:innen sind Psycholog:innen mit einer gesetzlich geregelten Zusatzausbildung im Gesundheitsbereich. Sie arbeiten mit Menschen, die psychische Störungen, Krisen oder schwere Belastungen erleben, und sind ein eigener Gesundheitsberuf.


Wie wird man Klinische Psycholog:in?

  • Abgeschlossenes Psychologiestudium.

  • Postgraduelle Ausbildung in Klinischer Psychologie (und meist auch Gesundheitspsychologie) nach dem österreichischen Psychologengesetz.

  • Umfangreiche Theorie, Selbsterfahrung, Supervision.

  • Mehrere hundert Stunden praktische Tätigkeit in klinischen Settings (z.B. Krankenhäuser, Ambulatorien, Reha, psychosoziale Einrichtungen) mit diagnostischer und behandlungsorientierter Arbeit.


Was dürfen Klinische Psycholog:innen?

  • Klinisch-psychologische Diagnostik (Testungen, Befunderstellung, Gutachten) bei psychischen Störungen und Belastungen.

  • Klinisch-psychologische Behandlung und Beratung mit wissenschaftlich fundierten psychologischen Methoden (z.B. verhaltenstherapeutische Interventionen, Psychoedukation, Angehörigenarbeit).

  • Keine Medikamente verschreiben.

  • Psychotherapie im rechtlichen Sinn nur, wenn zusätzlich eine Psychotherapieausbildung abgeschlossen wurde (dann Doppeltitel).

 

Psychotherapeut:in


Wer ist das?

Psychotherapeut:innen behandeln Menschen mit psychischen Störungen, Krisen und tiefgreifenden seelischen Konflikten mit anerkannten psychotherapeutischen Methoden. Zentral sind die therapeutische Beziehung, Selbsterfahrung und ein methodenspezifischer Zugang.

 

Wie wird man Psychotherapeut:in? (bisherige Struktur)

  • Unterschiedliche Grundberufe möglich (z.B. Psychologie, Medizin, Pädagogik, Sozialarbeit, Pflege, andere psychosoziale Berufe…).

  • Einstiegsphase: Psychotherapie-Propädeutikum mit Grundlagen in Psychotherapie, Psychologie, Medizin, Recht, Ethik, Selbsterfahrung.

  • Danach Fachspezifikum in einem anerkannten Verfahren (z.B. psychoanalytisch, systemisch, verhaltenstherapeutisch, humanistisch, integrativ) über mehrere Jahre.

  • Mehrere hundert Stunden praktische Tätigkeit in psychosozialen und klinischen Settings (z.B. Krankenhäuser, Ambulatorien, Reha, psychosozialen Einrichtungen) während des Propädeutikums und Fachspezifikums unter Supervision und eigener Selbsterfahrung.

  • Umfangreiche praktische Arbeit mit Klient:innen unter Supervision, eigene Selbsterfahrung und methodenspezifische Theorie.

 

Wie wird man Psychotherapeut:in? (bisherige Struktur)

  • Unterschiedliche Grundberufe möglich (z.B. Psychologie, Medizin, Pädagogik, Sozialarbeit, Pflege, andere psychosoziale Berufe).psychotherapie

  • Einstiegsphase: Psychotherapie-Propädeutikum mit Grundlagen in Psychotherapie, Psychologie, Medizin, Recht, Ethik sowie eigener Selbsterfahrung und praktischer Tätigkeit in psychosozialen und klinischen Settings (z. B. Krankenhäuser, Ambulatorien, Reha, psychosoziale Einrichtungen) unter Supervision.

  • Danach Fachspezifikum in einem anerkannten Verfahren (z. B. psychoanalytisch, systemisch, verhaltenstherapeutisch, humanistisch, integrativ) über mehrere Jahre (oft 4–6), sowie eigener Selbsterfahrung und mehreren hundert Stunden praktischer Tätigkeit in psychosozialen und klinischen Settings unter Supervision.

  • Umfangreiche praktische Arbeit mit Klient:innen unter Supervision (weit über 600 Stunden insgesamt), ergänzt durch fortlaufende methodenspezifische Theorie, weiterführende Selbsterfahrung und regelmäßige Supervision.

 

Was dürfen Psychotherapeut:innen?

  • Durchführung von Psychotherapie nach dem österreichischen Psychotherapiegesetz.

  • Behandlung von psychischen Störungen und Krisen mit anerkannten psychotherapeutischen Methoden.

  • Keine Verordnung von Medikamenten (es sei denn, es besteht zusätzlich eine ärztliche Qualifikation).

 

Anmerkung: Hinweis zur neuen AusbildungsgestaltungDie psychotherapeutische Ausbildung in Österreich wird/wurde nun auf ein neues, stärker akademisiertes Modell umgestellt (mit Hochschullehrgängen/Studienanteilen und veränderter Struktur von Grund- und Fachausbildung.

 

Unterscheidung Berufsgruppen:

 

 

 

 
 
 

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