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CASE STUDY - 𝗪𝗮𝘀 𝘄𝗶𝗲 𝗗𝗶𝘀𝘇𝗶𝗽𝗹𝗶𝗻 𝗮𝘂𝘀𝘀𝗶𝗲𝗵𝘁, 𝗶𝘀𝘁 𝗺𝗮𝗻𝗰𝗵𝗺𝗮𝗹 𝗱𝗶𝗲 𝗔𝗻𝗴𝘀𝘁 𝘃𝗼𝗿 𝗱𝗲𝗺 𝗦𝘁𝗶𝗹𝗹𝘀𝘁𝗲𝗵𝗲𝗻.

27. Aug.
3 Min. Lesezeit

„𝘈𝘯𝘴𝘵𝘢𝘵𝘵 𝘥𝘢 𝘢𝘮 𝘗𝘰𝘰𝘭 𝘻𝘶 𝘭𝘪𝘦𝘨𝘦𝘯 𝘶𝘯𝘥 𝘯𝘪𝘤𝘩𝘵𝘴 𝘻𝘶 𝘵𝘶𝘯, 𝘬𝘰̈𝘯𝘯𝘵𝘦 𝘪𝘤𝘩 𝘫𝘢 𝘱𝘳𝘰𝘥𝘶𝘬𝘵𝘪𝘷 𝘴𝘦𝘪𝘯.“

 

So beschreibt ein Geschäftsführer seine Gedanken, wenn er versucht, sich zu erholen.

Er kam nicht, weil etwas brannte. Er kam präventiv – Ende vierzig, sein Unternehmen läuft seit über zehn Jahren erfolgreich. Ein außergewöhnlich gut aufgestellter Mann: persönlich, familiär und wirtschaftlich.

 

In der Standortbestimmung zeigte sich schnell: ein beeindruckend vollständiges Mosaik. Nur ein Steinchen wirkte blasser als die anderen:

Urlaub. Erholung. Für ihn fast schon „verwerflich“. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen – so ist er wohl aufgewachsen, so führt er sein Unternehmen bis heute.

Nur: Wenn man es auf später verschiebt – wann beginnt dieses „später“ eigentlich?

Wir haben dieses Thema gemeinsam als potenzielles Risiko, ohne akuten Handlungsbedarf identifiziert. Er ging, die Frage blieb offen im Raum stehen.

 

Kurz davor hatte ich ein Gespräch mit einem erfolgreichen Orthopäden, ein paar Jahre vor seiner Pension. Auf die Frage, wie lange er noch arbeiten möchte, kam keine klare Antwort – nur ein:

„Mal sehen, wie lange ich noch, gesundheitlich, arbeiten kann.“

 

Ist es nicht schade, wie selten in unserer Gesellschaft der Gedanke ist, dann zu gehen, wenn es am schönsten ist – solange man noch gesund und fit genug ist, um selbst etwas von dieser Lebensphase zu haben und der finanzielle Rahmen es zulässt?

 

Stattdessen: arbeiten, bis der Körper die Entscheidung für uns trifft.

 

Sechs Monate später meldete sich der Geschäftsführer wieder. Nicht, weil es ihm schlecht ging. Sondern weil ihm etwas aufgefallen war: Er konnte seinen Urlaub nur „halb“ genießen. Halb so viel, wie er es sich eigentlich wünschte.

 

Die Gedanken kannte er gut:

Anstatt am Pool zu liegen und nichts zu tun, könnte er doch produktiv sein.

 

Was dabei oft übersehen wird: Wenn wir nicht auf eine konkrete Aufgabe fokussiert sind, arbeitet unser Gehirn keineswegs einfach nicht. Das sogenannte Ruhezustandsnetzwerk wird unter anderem dann aktiv, wenn wir abschweifen, Tagträumen oder unseren Gedanken freien Lauf lassen.

Dabei können Erfahrungen neu verknüpft und Gedanken weiterverarbeitet werden.

Auch das, was man in Oberösterreich „ins Narrenkastl schauen“ nennt – der Blick ins Nichts, fixiert auf etwas, das man eigentlich gar nicht sieht – ist für unser Gehirn kein Leerlauf, sondern ein wichtiger, keineswegs unproduktiver Prozess.

 


Nichtstun ist selten wirklich nichts. Es ist oft die Voraussetzung dafür, dass später wieder etwas geht. Kein Luxus, sondern eine Notwendigkeit.

 

Dass er sich wieder meldete, bedeutete: Das blasse Steinchen sollte jetzt Farbe bekommen – eine der feinen Justierungen, mit denen sich potenzielle Risiken frühzeitig entschärfen lassen.

 

Wir haben uns zunächst angeschaut, woher das innere Statement „Faulheit ist etwas Verwerfliches" eigentlich kommt – wobei die Antwort selten überrascht, die meisten Klient:innen wissen es ohnehin. Wichtiger war, es zu hinterfragen: Hat dieser Satz überhaupt noch Gültigkeit?

 

Dann wurde es konkret: eine reale Urlaubssituation und die Frage, welche „Gefahren“ es dabei wirklich gibt. Kundenaufträge, die nicht warten können? Wirtschaftlicher oder Reputationsschaden?

Zunächst rein kognitiv klären, ob es echte Gründe für ständige Erreichbarkeit gibt – oder nur gefühlte.

 

Und die Frage: Was müsste sich in seinem Arbeitsalltag tatsächlich verändern, damit Erholung überhaupt möglich wird?

Stellvertretung.Entscheidungsbefugnisse.Klare Zuständigkeiten.Strukturen, die tatsächliche Unerreichbarkeit ermöglichen.

 

Das sind keine Baustellen. Es sind Feinjustierungen mit großer Wirkung.

 

Denn nachhaltig leistungsfähig zu bleiben bedeutet nicht, immer mehr leisten zu können.

Es bedeutet auch, wieder anspannen und entspannen zu können.

 

Details wie Branche, Alter, Position und familiäre Situation wurden zum Schutz der Anonymität des Klienten verändert.

 

 

 
 
 

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